Orientierung statt Antrieb – was Läufer in der Lebensmitte wirklich brauchen
Shownotes
In dieser Folge geht es um die Seite des Laufens, die sich nicht messen lässt und die genau deshalb so schwer einzuordnen ist.
Teil 2 unserer häufigsten Läuferfragen in der Lebensmitte dreht sich um den Kopf. Nicht im Sinne von Motivation oder Mentaltraining, sondern ganz konkret: Warum fühlt sich Laufen manchmal einfach schwer an, obwohl du nichts falsch gemacht hast? Warum kommst du trotz regelmäßigem Training nicht weiter? Wie bringst du Laufen und den Rest deines Lebens unter einen Hut – ohne ständig zwischen Trainingsplan und Alltag zu jonglieren? Und was steckt wirklich hinter diesem permanenten inneren Hin und Her, das sich so viele ungerne eingestehen?
Das sind Fragen, die ich in Gesprächen mit Läuferinnen und Läufern immer wieder höre. Und es sind Fragen, auf die es keine Blutuntersuchung gibt. Keine App, die dir die Antwort liefert. Manchmal hilft es einfach, jemanden zu haben, der das Ganze mit dir einordnet.
Wenn du Teil 1 noch nicht gehört hast – dort ging es um Körperthemen wie Schmerzen, Wiedereinstieg, Regeneration, Krafttraining, Gewicht und Wechseljahre. Beide Folgen zusammen geben das vollständige Bild.
Wenn dir die Folge etwas gegeben hat: Eine kurze Bewertung auf Apple Podcasts, Spotify oder YouTube hilft dabei, dass andere Läuferinnen und Läufer den Podcast finden.
Alle Infos zum ausdauerclub findest du unter ausdauerclub.de
Transkript anzeigen
Torsten - Ausdauerclub: Hallo und schön, dass du wieder mit dabei bist. In der heutigen Folge geht es um die häufigsten Läuferfragen in der Lebensmitte Teil 2. Wenn du Teil 1 noch nicht gehört hast, da ging es um das Thema Körper, also um Schmerzen, um das Thema Wiedereinstieg nach Verletzung, um Regeneration, es ging auch um Krafttraining, es ging um dein Gewicht. Und es ging auch die Wechseljahre. Falls das deine Themen sind, dann hör zuerst auf jeden Fall in Folge eins ein, also in Teil eins unserer Episode. Heute geht es hier das Thema Kopf. Und ich sage das nicht als saubere Trennung, also Körper hier und Kopf da, denn natürlich hängt beides zusammen und das wissen wir auch. Aber es sind eben zwei verschiedene Themenkomplexe. Die Fragen aus dem ersten Teil. kommen in meiner Erfahrung häufig vor, doch die in diesem Teil sogar noch häufiger, weil sie auch schwerer zu beantworten sind, also in der Regel, denn es gibt auch oft nicht so wirklich messbare Methoden dafür. Also es gibt keine Blutuntersuchung, die dir zeigt, du in der richtigen Trainingslogik bist. Es gibt auch keinen Arzt, der einem sagt, warum man an sich zweifelt und solche Dinge. Also das gibt es nicht. Aber jeder stellt sich halt Fragen, so sein Training betreffen und findet nicht so richtig eine Lösung dafür. Also die einen mehr und die anderen weniger. Und manchmal hilft es halt jemanden zu haben, der das Ganze mit dir gemeinsam einordnet. Ich selbst stelle mir übrigens auch immer wieder Fragen zu meinem Training. auch nach 20 Jahren Laufen und 10 Jahren als Coach kommen immer wieder Fragen auf, die ich mir stelle und die ich nicht so richtig beantworten kann. Und witzigerweise immer, und das ist ja eigentlich auch nichts ungewöhnlich, wenn man ehrlich ist, aber ist es immer schwieriger, Antworten zu dem eigenen Training zu finden als zu dem Training von anderen. Also so geht es mir zumindest als Coach.
Torsten - Ausdauerclub: Irgendwie fühlt sich das Laufen gerade auch irgendwie komisch an. wenn das durch deinen Kopf geht, dann ist heute genau die Folge für dich. Also wenn du gerade irgendwie sagst, es fühlt sich komisch an und so richtig weiß ich nicht warum, also habe ich ein Trainingsproblem, habe ich gerade einfach nur eine schwierige Phase, mache ich gar irgendwas falsch oder bilde ich mir das Ganze nur ein? Das sind so Unsicherheiten, die auch laufende Erfahrungen nicht verschwinden. Also sie werden sicherlich vielleicht hier und da weniger, aber sie verschwinden nicht ganz. Das einzige, was sich halt ändert und wo man vielleicht auch mit der Zeit besser wird, ist, dass man das Ganze besser einordnen kann. Beginnen wir einfach mal ganz konkret mit der ersten Frage. Und die erste Frage ist, warum fühlt sich Laufen manchmal einfach schwer an? Es überrascht mich tatsächlich, wie häufig diese Frage kommt und vor allen Dingen auch nicht nur von Anfängern, ganz im Gegenteil. Also das ist eine Frage, die kommt häufig von Menschen, die wirklich seit vielen Jahren laufen, die eigentlich wissen, wie es geht, die schon Halbmarathons oder auch viel mehr hinter sich haben, die ihre Pace kennen, ihren Puls, ihre Strecken und eigentlich auch ihren Körper kennen sollten. Und trotzdem, ist dieser eine Lauf der sich anfühlt, als wäre man irgendwie das erste Mal gelaufen. So schwer, zäh, unangenehm einfach. Und es gibt keinen erkennbaren Grund dafür. Und dann kommt irgendwie der Gedanke so langsam leise auf, irgendwas stimmt da nicht. Entweder mit mir oder eben mit meinem Training. Das Problem ist, dass viele Läuferinnen und Läufer in der Lebensmittel speziell zwar genug Erfahrung haben, aber keinen klaren Rahmen in denen sie diese Erfahrung einordnen können. Also das heißt, man hat zwar einen großen Erfahrung, Schatz, aber man weiß nicht so richtig, was man damit macht. Es fühlt sich zum Beispiel, du machst ein schönes Beispiel, du machst ein Intervalltraining und es fühlt sich nicht nachvollziehbar einfach schwer an. Also Intervalltraining ist grundsätzlich immer anstrengend, das ist klar, aber heute ist es halt mal besonders anstrengend.
Torsten - Ausdauerclub: Es ist rein zufällig, du weißt nicht, warum das so ist. Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass du es schon einordnen kannst. Also das heißt, dass du nachvollziehen kannst, warum es heute gerade nicht läuft. Also zum Beispiel du erinnerst dich, naja, ich habe in letzten Woche ganz schön viel Gas gegeben. Ich habe gestern und auch heute schlecht geschlafen. Es war richtig viel los in meinem Leben. Und da ist es kein Wunder, dass es heute nicht läuft. Also manchmal kommen auch solche Themen dann halt im Kopf und da kann man das dann auch klar zuordnen, warum heute das Training nicht so funktioniert hat, aber manchmal eben auch nicht. Und ja, wenn halt dieses zufällig dazu kommt, dann kommt halt oft so, na ja, das ist halt so. Ich bin halt einfach mal mies drauf. Und man sollte sich aber schonen hier und da. Also das kann auch mal passieren. Und dann ist es halt so. Und dann sollte man das auch nicht überbewerten. Aber ab und zu steckt auch ein bisschen mehr hinter so einem miesen Lauf. Und in der Regel ist es halt so was wie Schlaf, Stress, Hormone, Ernährung und alles das, die Belastungen des Alltags, die auf uns einströmen. Das können auch psychische Belastungen sein, sei es in der Familie, sei es in der Arbeit, aber sei es auch, wir haben ja auch gerade so eine komische Situation in der Welt. Auch das sind natürlich Belastungen, die auf dich einströmen. Und da sind wir wieder bei dem wunderbaren Bild, das wir ja auch im ersten Teil schon gemalt haben. Das ist diese Regentonne, das große Fass, wo die ganze Belastung rein läuft und wenn es überläuft, es wehtut. Also irgendwas einfach überhaupt nicht mehr funktioniert. Und dein Körper, das ist halt das Wasser, was reinfließt. Aber es ist eben nicht nur das, was da reinfließt, ist die Belastung eben aus dem Training. sondern es ist auch der Alltagstress. Eben, wie gesagt, eine schwierige Woche im Job, wenig Schlaf, familiäre Belastungen, allgemeine Belastungen. Das alles sind Belastungen. Das alles ist Regen, was in die Tonne läuft. Und wenn sie dann überläuft, dann spürst du es einfach beim nächsten Lauf. Dann ist einfach irgendwas nicht in Ordnung und da muss nicht gleich was kaputt gehen, sondern da halt einfach mal irgendwas nicht in Ordnung.
Torsten - Ausdauerclub: Und wenn man mal ehrlich ist, ist das eigentlich sogar eine gute Nachricht. Denn es bedeutet, wenn ein Lauf mal plötzlich schwer ist, wenn ein Lauf mal nicht funktioniert, dann liegt es nicht immer am Ganzen. Man muss nicht immer gleich das ganze Laufen in Frage stellen, sondern meistens liegt das Problem auch tatsächlich nicht beim Lauf selbst, also nicht bei dem Training, sondern oft drum herum im Rest des Lebens. Im Rest des Lebens. Eigentlich ist es ja der Hauptteil des Lebens. Das kann man einordnen, ohne gleich sein ganzes Training infrage zu stellen. Und da gibt es natürlich einen wichtigen Punkt, an dem aber man nicht mehr alles einfach so ad acta legen kann und sagen kann, naja, es war halt eine schwierige Woche, hat er halt heute einen schlechten Tag. Also wenn sich jeder Lauf über mehrere Wochen oder der überwiegende Anzahl der Läufe über mehrere Wochen wirklich schwer anfühlen und wirklich nicht gut anfühlen, dann ist das ein Signal. In diesem Signal sollte man wirklich Beachtung schenken. Denn das kann zum Beispiel fehlende Entlastung sein. du missachtest einfach die Regeneration. Du kannst auch zu viel Intensität über Wochen trainieren, ohne dass du überhaupt Regeneration Phasen machst. Und im Prinzip ist es so, dass dein Fass immer wieder überschwappt und dieses immer wieder mal überschwappen, wenn es halt dauernd passiert. Also ich sag jetzt mal, wenn du dreimal die Woche läufst. Bei zwei Läufen fühlt sich es einfach mystisch an und einer geht mal so einigermaßen. Und wenn das über mehrere Wochen ist, dann sollte man wirklich auch das Training hinterfragen und nicht einfach nur das abtun und sagen, naja, ist halt gerade halt einfach so. Und wenn das der Fall ist, dann ist es oft so, dass du vor allen Dingen dein Erwartungsmanagement mal beachten musst. Also deine Erwartungen sind tatsächlich was, was eine ganz schön große Rolle spielt und viele von uns haben einfach eine verdammt hohe Erwartung an sich selbst. Und man verlangt, man hört es ja auch immer wieder mal, dass man ständig 100 Prozent gibt. Und jedes Mal, wenn du nicht in der Lage bist, diese 100 Prozent zu geben, dann interpretierst das gleich mal schnell als Versagen. Viele sind einfach auch ihrer selbst größten Kritiker. Und wenn du so ein Mindset hast und so einfach immer
Torsten - Ausdauerclub: auf dich eintritt und immer wieder dich niedermachst, dann ist es kein Wunder, dass letztendlich auch das Training nicht mehr so richtig funktioniert. Und dann hast du aber tatsächlich ein Strukturproblem und dieses Strukturproblem, das schauen wir uns im nächsten Abschnitt an. Aber am Anfang gilt erst mal immer erst mal zu analysieren und vor allen Dingen zu einzuordnen, wo du gerade bist. Und lass bitte nach Möglichkeit die Bewertung weg. Also solche Dinge wie schlecht mies, funktioniert nicht. Solltest du einfach in der Betrachtung weglassen, sondern sagen, was ist heute der Status? Warum hat es nicht funktioniert? Warum ist jetzt in letzten Wochen immer mal wieder die Läufe schlechter? Warum fühlt sich nicht gut an? Und sag halt nicht, dieser Lauf war schlecht, ich bin schlecht, sondern sag, dieser Lauf war mies. Was zeigt mir das? Das ist die richtige Herangehensweise, das Ganze auch einordnen zu können. Und ja, ich weiß, es klingt einfacher als es in der Regel oftmals ist, aber es ist trotzdem wichtig. kommen wir eben zum nächsten Thema und zum nächsten Abschnitt. Warum werde ich trotz regelmäßigen Training nicht schneller? Das Thema heißt Stagnation. Und dieses Wort Stagnation, das taucht in meinen Gesprächen mit Läuferinnen und Läufern wirklich regelmäßig auf. Also meistens mit einer Mischung aus Frust und einem leisten Verdacht, es irgendwie die eigene Schuld ist. Also so nach dem Motto, ich mache das seit Jahren so, ich laufe regelmäßig und ich bin einfach nicht schneller geworden. Und dann wird halt gerne mal schnell interpretiert, ich kann halt einfach auch nicht schneller werden. Und meistens ist das aber nicht der Fall. Erstmal sollten wir uns aber klar sein, dass Stagnation ein normaler Teil im langfristigen Training ist. Und gerade in der Lebensmitte gehört Stagnation einfach dazu. Manchmal geht dir auch die Stagnation leicht runter. Also du wirst auch ein leicht ein bisschen langsamer. Das ist ganz normal und es ist einfach auch Teil des Trainings. Fortschritt verläuft niemals linear. Wer immer das behauptet, einfach keine Ahnung. Unser Körper passt sich an Belastungen an und
Torsten - Ausdauerclub: Hat er sich einmal angepasst, braucht er einen Reiz, idealerweise einen anderen Reiz, als du ihn vorher gegeben hast, sich eben noch weiter anzupassen. Und wer jetzt immer wieder dasselbe tut, bekommt irgendwann auch immer wieder das gleiche Ergebnis. Und das ist das eben, was man Anpassung nennt. der Körper passt sich einfach an die Belastung an, die du ihm gibst. Das heißt aber nicht, dass du ihm ständig höhere Belastungen geben musst. Also das ist auch so klar. Und diese Plateaus, diese Stagnation, die gehören einfach ab und zu auch einfach dazu. Und was steckt da häufig dahinter? also der häufigste Grund, warum Leute nicht weiterkommen in ihrem Training, ist monotones Tempo. Also viele und ich würde stark behaupten, die überwiegende Mehrheit der Hobbyläuferinnen und Hobbyläufer laufen ständig in einem mittleren Bereich. Also nicht wirklich langsam, auch wenn sie das vielleicht so sagen und aber auch nicht wirklich intensiv, sondern irgendwie in der Mitte, so dass ich das auch gut anstrengend finde. Also wenn ich so meine Gespräche führe, dann ist das eigentlich fast immer die Antwort, die man bekommt, vor allen Dingen bei Leuten, die eben neu in diesem ganzen Trainingsthema drin sind und vielleicht auch neu im Ausdauerclub drin sind. Und ist irgendwie auch logisch, weil wenn es sich gut anstrengend anfühlt, dann fühlt sich es auch irgendwie nach einem guten Training an. Dann denkt man auch, man hat was gemacht. Das ist aber der Trugschluss. Das funktioniert eine Zeit lang auch recht gut, aber irgendwann funktioniert es eben nicht mehr. Also das heißt, irgendwann kommt eben kein Reiz mehr, sondern dein Körper hat sich an diesen Reiz, an diese permanente Anstrengung gewöhnt und dann passiert nichts mehr. Und die Konsequenz draus ist, das Ergebnis oder das, wirklich das Problem ist, dass man eigentlich im sogenannten falschen trainiert. Und was macht man jetzt, so ein Plateau zum Beispiel zu durchbrechen? Man geht an die Pole. Also das heißt, man geht zum einen an den unteren Pol und das ist sogar der wichtigere. Das heißt, man macht
Torsten - Ausdauerclub: wirklich deutlich langsamerer Läufe. Also langsam im Sinne von du kannst noch richtig gut reden dabei und zwar nicht irgendwie abgehackte Sätze oder kurze Sätze, sondern du kannst einfach so idealerweise kannst du so klautern wie ich es gerade mache und das ohne zu schnaufen. Und viele unterschätzen das total, weil sie noch nie in ihrem Leben so langsam gelaufen sind und weil sie halt irgendwie sich dabei auch völlig unwohl fühlen, weil du dir halt sowieso ist dich eigentlich schon zu langsam vorkommst und dann sollst du, dann sagte der Trainer hier in diesem komischen Podcast, jetzt sollst du noch langsamer laufen. Aber ja, das sollst du und zwar auch die überwiegende größte Zeit oder die größte Strecke auch im Training. Und dann bist du richtig. Also das ist das erste Pol, an dem du arbeiten musst. Und das ist der wichtigere Pol, schneller zu werden. Du musst langsam laufen, perspektivisch schneller zu werden. Auf der anderen Seite brauchst du dann aber gezielte Reize. Und gezielte Reize sind nicht eine permanente, leichte Überlastung, sondern kurze, richtige Impulse. Also Einheiten, die dich wirklich fordern. Und zwar vom Tempo her. Nicht unbedingt von der Gesamtbelastung, sondern vom Tempo her. Also zum Beispiel Intervalle, zum Beispiel Fahrtspiele, zum Beispiel Tempodauerläufe, aber auch mal Sprints. Bergsprints sind da ganz beliebt. Also alles solche Dinge, die wirklich einen Temporeitsetzen und die wirklich dich mal richtig aus der Reserve locken und dich fordern. Und wichtig ist aber auch das darfst du nicht permanent machen. Erstens, weil du es gar nicht verkraftest und je älter du wirst, umso dosierter musst du mit dem ganzen umgehen. Aber zweitens auch, du eben ohne die langsamen Läufe gar nicht unterlage bist, diese Belastungen stand zu halten. Also einmal die Woche. So einen richtig fetten Reiz setzen ist das, was dich permanent weiterbringt. Aber nur, wenn du eben den anderen Pool, das langsame Laufen und das bewusst sehr langsame Laufen, auch beachtest. Und den Rest der Woche kannst du dann mit lockeren Läufen füllen. Das heißt, so in deinem Wohlfühltempo, was du halt sonst so hast, vielleicht einen Tick langsamer. Aber im Grunde genommen funktioniert das. Und mehr braucht es nicht. Das heißt, einen
Torsten - Ausdauerclub: wirklich auch längeren und langsamen Lauf, der von der Zeit wirklich auch am längsten ist. Du brauchst einen einmal gezielten Reiz, also zum Beispiel eine Tempoeinheit und du brauchst eben den Rest der Woche eher lockeren Lauf und das heißt aber maximal einen. Und für manche, die aber jetzt zu mir kommen und dann sagen, Moment mal, ich laufe aber vier bis fünf Mal die Woche, dann klingt es erstmal komisch. Das heißt, du sollst weniger trainieren. Du sollst weniger hart trainieren, letztlich besser zu werden. Und ja, das ist in der Regel oder sehr oft der Schlüssel. Und was mir aber in dem Zusammenhang wichtig ist, Wenn du nicht schneller wirst, dann ist es erstmal kein Versagen. Gerade für alle, die wie meisten Hörerinnen und Hörern in Lebensmittel sind, 40, 50 oder vielleicht auch bisschen älter, gibt es gute Gründe, sich nicht mehr so auf diese Zeiten und diese Paces zu versteifen, sondern die Ziele anzupassen und zwar auf andere Ziele. Also nicht schneller werden sollte vielleicht dein Hauptziel sein. sondern einfach stabiler zu laufen. Also von einer besseren Pace zu einer besseren Belastbarkeit, von Bestzeiten zu Wohlbefinden und Gesundheit. Das sind vielleicht Dinge, die auch in deinem Kopf mal eine Veränderung hergeben und vielleicht auch dann das Training anderes hinterfragt. Und das heißt aber nicht, dass du deswegen nicht trotzdem so strukturiert trainieren solltest. Wenn du gerade in diesem Problem steckst, also wenn du gerade sagst, ich will unbedingt schneller werden, aber irgendwie klappt das überhaupt nicht, dann stell dir erst mal ein paar Fragen. Also zum Beispiel ist es biologisch normal, dass dein Körper mit über 50 einfach längere Zeit zur Anpassung braucht. Auch das ist so ein Thema. Also wenn du regelmäßig mit Jüngeren trainierst, die so 20 sind in der Dreh.
Torsten - Ausdauerclub: Die haben einen riesen Vorteil, weil die hauen halt zwei, drei Mal mit Intervalltraining drauf, machen dann einen langen, langsamen Lauf dazu und schwuppsie wupps sind die nach ein paar Wochen deutlich besser geworden. Das sieht mit über 50 anders aus. Da dauert es einfach länger, weil die Regeneration länger dauert und auch die Anpassung des Körpers dauert länger. Und nichtsdestotrotz funktioniert's. Man muss halt nur ein bisschen mehr Geduld haben. Und deswegen ist das halt ein Thema und Trotzdem noch mal zurück, wenn du einfach nicht weiter kommst oder vielleicht sogar nach mehr schlechter wirst, obwohl du an deinem Training nichts verändert hast, dann haben wir jetzt mal die Trainingsmethodik diskutiert. Aber ich würde auch an der Stelle immer noch mal schauen, was passiert drum herum. Habe ich zu wenig Erholung, setze ich eben permanent zu viel, aber insgesamt zu wenig Reiz, also die Spitzen fehlen oder die langsamen Teile fehlen, aber auch solche Dinge wie medizinische Sachen, würde ich mal abklären. Also habe ich einen permanenten Energiemangel, Erschöpfung und so weiter. sind ja oft auch medizinische Gründe dahinter. Auch das ist natürlich etwas, was man mal hinterfragen kann. Das ist immer wieder beim Thema Körper und dem, was wir letzte Episode gemacht haben, wo du das Ganze mal untersuchen kannst. Und schon allein, dass du dir die Fragen stellst, ist oft der erste Schritt, auch wirklich wieder zufriedener mit dem Training zu sein und zwar auch dann, wenn mal eine Einheit nicht funktioniert. ja, kommen wir mal zum nächsten Thema. Auch diese Frage höre ich ständig. Und das ist die Frage, wie bringe ich laufen und den Rest des Lebens zusammen? Schon allein die Art und Weise, wie die Frage gestellt wird, ist oft ein bisschen fast schon witzig, denn ich erlebe es immer wieder. Eine Läuferin ist top motiviert, hat ein tolles Ziel. und will in ein paar Monaten einen Halbmarathon laufen. Und sie hat sich dann auch einen Halbmarathonplan aus dem Netz gezogen. Da stehen dann oft so vier, manchmal vielleicht sogar fünf Einheiten, also Laufeinheiten pro Woche drin. Intervalle, Tempodauerläufe, langer Lauf am Wochenende und noch so bisschen was drum rum. Sieht hochprofessionell auch so einen Trainingsplan. Der klingt in der Regel auch recht hart und ambitioniert, aber das gehört ja dazu. Man will ja schließlich einen Halbmarathon laufen.
Torsten - Ausdauerclub: Und dann nimmt man diesen Trainingsplan und beginnt einfach mal. Und ersten zwei Wochen laufen einfach prima. Es funktioniert. Du ziehst alles durch, du hakst ab. Es fühlt sich richtig gut an. Dann kommt aber eine Woche, wo du im Job halt mal so richtig Action hast und auch vielleicht abends nicht nach Hause kommst. Vielleicht hast du eine Dienstreise oder solche Dinge. Vielleicht hast du auch einen privaten Termin. Also das heißt zum Beispiel der lange Lauf am Samstag. weil die Kinder selbst übers Wochenende sportlich aktiv sind und du als Elterntaxi einfach zu ihren Events gefahren hast und da den ganzen Tag unterwegs bist. Was ja eigentlich cool ist, wenn die Kids irgendwie sportlich unterwegs sind, aber für dich kann es ja oft bedeuten, dass du den ganzen Tag auch unterwegs bist und dementsprechend vielleicht am Wochenende gar keine Zeit hast für einen langen Lauf. Oder die Intervalle am Dienstag, die halt immer fest eingeplant sind. Die haben halt nächste Woche mal keine Chance gehabt, weil du einfach Dienstag auf Mittwoch verreist bist. Dann fängst du halt an, in deinem Trainingsplan rumzuschieben. Also das heißt, da steht zwar im Trainingsplan drin, du sollst am Dienstag das machen, aber es geht halt nicht. Also fängst du an zu schieben, jonglierst hin und her, trainierst mal eine harte Einheit, zwei hintereinander, weil es nicht anders geht. Und am Ende irgendwie nach ein paar Wochen ist der Plan so weit weg von der Realität. dass du ihn in der Regel völlig frustriert abbrechst. Und dann kommt halt oft bei vielen der Gedanke, ich bin einfach nicht diszipliniert genug für so einen Trainingsplan. Und dabei war nicht sie das Problem, sondern der Plan war das Problem. Also man muss sich dann schon mal die Frage stellen, wenn in deinem Trainingsplan vier, fünf, sechs Einheiten pro Woche drin sind. Also Laufeinheiten vor allen Dingen auch, die wirklich länger dauern. Dann sollte man sich erst mal die Frage stellen, für wen ist denn der Plan überhaupt konzipiert? Also für jemanden mit freiem Abend im Plan, nach Wochenenden, ohne Schichtdienst, ohne Kinder, für ein Leben, was halt auf den Sport ausgerichtet ist. Aber sind wir doch mal ehrlich, das kannst du vielleicht mit Anfang 20 noch machen, aber mit Mitte, Ende 40 oder Anfang 50, für die meisten von uns sieht das Leben ja nicht so aus. Und Zeit- und Energiekonflikte, also
Torsten - Ausdauerclub: Zeit bedingt oft ja auch Energiekonflikte. Und das ist für viele der häufigste Grund für Trainingspausen. Also nicht Verletzungen, auch nicht mangelnde Motivation, nicht mangelnde Disziplin, sondern gerade für die, engagierter unterwegs sind, sind diese Konflikte eigentlich eher, also Zeit und Energie, eher das größere Problem. Und was an der Stelle gar nicht hilft oder zumindest nicht langfristig hilft, einfach, ja, jetzt ziehe ich durch. Jugga, jetzt zeig dich noch mehr Willenskraft und jetzt haltest einfach mal durch. Das funktioniert vielleicht noch mal zwei Wochen. Vielleicht funktioniert es auch drei, wenn du richtig stark bist da im Kopf. Aber irgendwann macht der Körper, also wenn der Kopf bewirkt, dann sind wir wieder bei dem Thema, dass ohne alles irgendwie zusammengehört. Dann kommt es halt einfach irgendwann auch dazu, dass es einfach nicht mehr geht. Mit Willenskraft kannst du manche Dinge erreichen, aber auch nur bis zu einem gewissen Punkt. Und der richtigere Hebel und der bessere Hebel an der Stelle war wäre einfach eine passende Struktur und mal ganz kurz plakativ gesagt einen passenden Trainingsplan. Und was auch immer hilft, ist, wenn man sich so ein System geschaffen hat, was so ein Minimalstandard hat. der Minimalstandard, beantwortet eine Frage. Was ist das Minimum, das ich in einer normalen Woche schaffe? Also nicht die perfekte Woche, die wir ja oft uns vorstellen, sondern in einer normalen vollen und manchmal vielleicht auch ein bisschen chaotischen Woche. Und das können zum Beispiel bei vielen Zweiläufe sein. Das kann eine Laufeinheit sein plus eine Krafttrainings-Einheit. Das hängt klar vom Leben ab, das du führst. Und diesen Minimalstandard, den solltest du aber mal für dich definieren. Ab wann ist es für dich eine gute Woche? Und dann nimm bitte nicht deinen Best Case Trainingsplan, sondern nimm die Realität. Und ab wann sprichst du für dich, es ist eine gelungene Laufwoche gewesen. Sie war nicht perfekt, aber sie war gelungen. Und wenn du das für dich, diesen Minimalstandard mal gesetzt hast, dann bekommst du auch oft in strektischen Phasen Ruhe im Kopf und denkst so, wenn ich meinen Minimalstandard erfülle, dann bin ich grundsätzlich auf Kurs. Auch wenn ich nicht dreimal gelaufen bin und auch wenn ich nicht zweimal Krafttraining geschafft habe. Die Woche war halt ein bisschen chaotisch.
Torsten - Ausdauerclub: Aber ich habe zumindest meine Minimalstandard gehalten. Zweimal laufen, einmal Krafttraining, einmal laufen, einmal Krafttraining. Wie auch immer du ihn definierst. Und ich habe trotzdem etwas gemacht und das zählt und nächste Woche geht es halt wieder neu. Und du kannst es aber auch noch mehr vereinfachen. das ist ja jetzt Minimalstandard, das sind ja meistens mehrere Einheiten. Du kannst es auch noch mehr vereinfachen und sagst, mein Ziel ist eine Schlüsseleinheit. Eine Einheit pro Woche. die auf jeden Fall stattfinden sollte. Und es sollte in der Regel die Einheit sein, die am meisten bringt. Und zwar am meisten für dich und deine Ziele bringt. Also bei mir ist es zum Beispiel im Moment ganz klar das Intervalltraining. Ich habe das jahrelang vernachlässigt und ich komme jetzt, weil ich jetzt auch nach den Trainingsplänen des Ausdauerclubs trainiere. Also meiner eigenen, die ich erstelle. Also trainiere jetzt auch danach. Und weil ich jahrelang das Intervalltraining ziemlich vernachlässigt habe, lege ich da jetzt großen Wert drauf und das sind meine Schlüsseleinheiten in der Woche. Bei der Frau, bei dem Beispiel, was wir vor uns genannt haben, die Frau, im Halbmarathon Training ist, also wenn du ein Halbmarathon Ziel hast zum Beispiel, dann ist definitiv zum Beispiel der lange Lauf das Entscheidende und der wichtigste Einheit der Woche. Und diese Einheit, hat absolute Priorität und die sollte nicht verhandelbar sein und die sollte auch nicht ohne wirklich guten Grund, also zum Beispiel in der Kältung oder sowas, verschiebbar sein. Und den Rest der Woche, den gestaltest du flexibel. Und wenn mehr geht, super. Wenn nicht, auch okay. Und das klingt bisschen simpel, für manche tatsächlich auch bisschen zu simpel, weil dann kommt dann gleich mal die Frage aus, wozu brauche ich denn überhaupt einen Plan? Ist eine gute Frage, aber einfach weil du halt dadurch einen Navi hast. Und wenn du dir diesen Minimalstandard als auch die Schlüsseleinheit mal definiert hast, dann verändert das einfach auch die Psychologie des Trainings komplett. Man hört auf, sich nach einer verpassten Einheit richtig schlecht zu fühlen, schlechtes Gewissen zu haben.
Torsten - Ausdauerclub: und vielleicht auch permanent irgendwie das schlechte Gewissen zu haben. Weil zum Beispiel du hast die Schlüsseleinheit geschafft, also hast du dein Minimalziel erreicht. Du hörst auch auf, immer in diesen Alles-oder-Nichts-Muster zu denken. Also das heißt, du hast einen Trainingsplan, entweder erfüllst du ihn zu 100 Prozent oder du hast versagt. Das ist Quatsch. So funktioniert das Leben nicht. Und man hört dadurch auch einfach auf, zu schnell aufzugeben. Und man beginnt einfach auch, und das ist tatsächlich ein Benefit, den man gerne mal schnell unterschätzt, das Laufen, also man beginnt einfach das Laufen nicht mehr als Konkurrent zum Rest des Lebens zu sehen. Also das heißt, hier ist dein Leben, da ist Laufen und irgendwie muss es zusammenpassen. Sondern du beginnst einfach Training, als das zu betrachten, was es ist, ein Teil deines Lebens, so wie Haushalt sowie Familie sowie Arbeit und alle diese Dinge auch. Und das macht es oft einfacher, die Sachen unterzubringen und das Training zu schaffen. hast deswegen nicht automatisch mehr Zeit, aber du gibst dem einfach auch eine entsprechende andere Priorität. Und nehmen wir mal ein Praxisbeispiel. Wenn du zum Beispiel Schichtdienste hast. Also für alle Leute, Schichtdienste haben, meinen höchsten Respekt, weil das ist gerade fürs Training echt eine riesen Herausforderung, wenn du ständig irgendwie wechselnde Schichten hast und dementsprechend auch wechselnde Trainingszeiten. Und wenn du dann vielleicht noch zwei Kinder hast und einen vollen Kalender, dann ist es halt einfach so, dass ein Plan, der drei Mal die Woche zu bestimmten Tagen im Training vorschreibt, nicht funktioniert. Was aber funktioniert ist, also ein Minimalstandard mit zwei Läufen pro Woche und eine davon definierst du halt als deine Schlüsseleinheit. Und das kannst du einfach auch deine Schicht und dein Familienleben drum herum bauen und das kriegst du in der Woche in der Regel gut rein. Also ob das jetzt unter der Woche ist, manchmal haben ja gerade die Schichtarbeiter dann den Vorteil, dass sie vielleicht auch mal zu Zeiten plötzlich trainieren können, wo andere halt die von typischen 9 to 5 Job haben.
Torsten - Ausdauerclub: nicht trainieren können oder eben benutzt das Wochenende, einfach die Einheiten zu nehmen und nimmst es aber halt dann an den Stellen, wo es halt passt, wo es auch mit der Familie vereinbar ist. Und das ist einfach eine flexible Struktur, die aber trotzdem nach einem festen Prinzip funktioniert. Und so funktionieren tatsächlich ja auch letztendlich der Ausdauerplan in unserem Ausdauerclub oder überhaupt alle unsere Pläne im Ausdauerclub. Also speziell, wenn wir jetzt mal das Beispiel Ausdauerplan nehmen, da gibt es immer zwei Schlüsseleinheiten und eine optionale Einheit im Laufen. Und es gibt auch in der Regel, je nach Level, variable Längen bei den längeren Läufen. Und das kannst du jede Woche schieben, wie es halt in dein Leben gerade passt. Und das ist das, was ich meine. Du hast halt trotzdem einen Fahrplan, an dem du dich halten kannst und musst nicht alles und ständig hinterfragen. Eine Sache möchte ich aber noch erwähnen. Je nach Ziel gibt es eben einen Minimalstandard, den du einhalten musst, das Ziel überhaupt zu erreichen. Also wer zum Beispiel keine Zeit für einen wirklich langen Lauf pro Woche hat, und da meine ich jetzt bis zu zwei Stunden und darüber hinaus, oder mindestens auch keine Zeit für den zweiten oder besser vielleicht sogar für den dritten Lauf hat, Bei dem ist zum Beispiel das Ziel Halbmarathon oder Garmarathon einfach nicht das Richtige. Es passt eben gerade nicht in dein Leben, wenn du keine Zeit und auch keine Energie hast für diese drei Laufeinheiten. Dann ist der Halbmarathon einfach im Moment nicht das Richtige und du musst vielleicht hier über ein anderes Ziel nachdenken. Vielleicht klappt es dir dann nächstes Jahr besser. Wichtig ist, dass dran bleibst. Dann hast du auch nächstes Jahr wieder gute Voraussetzungen, einfach wieder durchzustarten. Das ist eigentlich der entscheidende Schlüssel. Okay, dann gibt es aber noch ein Thema, was gar nichts mit Zeit und Energie zu tun hat. Mit Energie an manchen Stellen vielleicht schon und irgendwie auch mit Zeit, mit sportlichen Zeiten. Also das heißt, viele Läuferinnen und Läufer machen ja mehr als nur laufen. Ich bin da ja gar keine Ausnahme.
Torsten - Ausdauerclub: sondern eher sogar das allerbeste Beispiel. Also bei mir, ich laufe, ich fahre Rad, ich gehe ins Krafttraining, ich gehe wandern, ich gehe Skifahren und noch so manches mehr, worauf ich gerade Bock habe. Also ich bin also ein richtiger Multisportler und das ist im Prinzip, also wenn du mehrere Sportarten hast, ich weiß von einigen, die zum Beispiel sehr aktiv auch Tennis spielen und solche Dinge, wenn du mehrere Sportarten machst, ist das prinzipiell wirklich super gut. So ein breiter Mix aus verschiedenen Belastungsformen ist für die Gesundheit einfach wertvoller als eine einzige Disziplin und eine monotone Belastung. Vor allen Dingen dann, wenn du eben auch schon etwas älter bist. Das Problem entsteht aber dann, wenn alles gleichzeitig und gleich viel sein soll. Also das heißt, du zum Beispiel, nehmen wir jetzt mal das Tennis Beispiel, gehst zweimal die Woche Tennis spielen, bist jetzt aber engagierter beim Lauftraining und willst du jetzt beim Laufen halt mal ein großes Ziel erreichen, es 10 Kilometer, nehmen wir mal 10 Kilometer, nimmst du den Trainingsplan. Der Trainingsplan gibt gewisse Einheiten vor und den nimmst du einfach und packst den noch oben drauf. Der Trainingsplan, der weiß ja aber nicht, dass du Tennis spielst. Und genau das ist der Punkt. Also das heißt, du machst ein bisschen, da merkst du aber, du schaffst gar nicht alles, also nicht nur körperlich, sondern auch zeitlich. So dass du dann anfängst irgendwie da und da zu streichen und du machst halt ein bisschen Tennis und ein bisschen Radfahren, ein bisschen Krafttraining und ein bisschen Laufen und am Ende machst du von allem zu wenig und insgesamt aber zu viel. Also das heißt, du machst in der Einzeldisziplin zu wenig besser zu werden, aber insgesamt zu viel und dementsprechend kriegst du gar keine Anpassungen und Fortschritte mehr hin. Auch das ist ein klares Problem. Und was hilft ist einfach für eine gewisse Zeit und für einen gewissen Punkt einen Schwerpunkt zu setzen. Also das heißt, wenn du gerade Laufen als dein Kernziel hast, als deine Hauptsportart, dann ist einfach Laufen auch deine Leitsportart. Alles andere drum herum ist Ergänzung. Das bedeutet nicht, dass die Ergänzungen unwichtig sind oder dass sie wegfallen sollen. Ganz im Gegenteil. Solche Dinge wie zum Beispiel Krafttraining, die dienen ja zum Beispiel dem Laufen.
Torsten - Ausdauerclub: Auch Radfahren kann dem Laufen wunderbar dienen und als alternative Ausdauereinheit gelten. Auch Wandern passt auch wunderbar rein. Mobility, Yoga, Pilates und solche Dinge sowieso. Das sind alles gut investierte Zeiten, die auch auf dein Laufziel, auf dein Leitsport einzahlen. Aber die Entscheidungen, wie dein Trainingsplan funktioniert und die Hauptentscheidungen, wie dein Ziel ist und was du die Woche machen willst. Die werden aus deiner Leitsportart heraus getroffen. Also das heißt, dort liegt der Fokus drauf. Und es kann sich aber permanent ändern. ich muss jetzt wieder mal mich als Beispiel bringen. Bei mir ist es zum Beispiel so, im Frühjahr, also gerade jetzt zum Beispiel, so wenn es aus dem Winter rausgeht, März ganz extrem, Februar geht es wenigstens schon los, Februar, März, auch April. sind bei mir ganz klar Laufschwerpunktmonate. Dort ist meine Leitsportart, meine Hauptsportart das Laufen. Weil ich dort auch zum Beispiel sehr gut Konditionen aufbauen kann und neben Krafttraining, was ich aber das ganze Jahr über mache, im Laufen halt einfach eine gute Kondition aufbauen, wovon ich dann im späteren Jahresverlauf, wenn zum Beispiel im Juni, Juli, August bei mir das Radfahren eher überwiegt, profitiere. Dort nehme ich dann wieder das Radfahren als Hauptfokus und nehme beim Laufen wieder ein bisschen Abstriche. Das heißt, ich laufe dann halt eben nicht mehr dreimal die Woche, wie es halt im Moment der Fall ist. Und du kannst halt auch während des Jahres einfach permanent diese Hauptsportart wechseln, aber du solltest dir gerade tatsächlich wirklich mal gute Gedanken machen. Was ist denn gerade im Moment deine Hauptsportart? Wenn wir jetzt beim Tennis Beispiel sind. Auch im Frühjahr wird ja viel Tennis gespielt, oft diese Medenspiele, die halt, wenn du da bei sowas teilnimmst, dann ist das halt einfach dort dein Fokus. Dann nimmst du eher den Winter als Laufen, was auch eine super Voraussetzung wäre und das eine zahlt auf das andere ein. Ja und wenn du zum Beispiel jetzt im Juni, nehmen wir einfach mal an, als Halbmarathon, ein Halbmarathon Ziel hast, dann trainierst du halt jetzt aktuell natürlich auch ganz stark laufen und solltest alles andere.
Torsten - Ausdauerclub: wirklich runter priorisieren und wenn du danach kannst du es genauso wieder umgedreht machen und kannst sagen, ja laufen wird runter priorisiert, alle anderen gehen nach oben und dann mache ich halt mal was anderes. Und das ist unabhängig vom Wettkampftier, das ist eine Sache, die du einfach für dich entscheiden musst. Und genau. Was eben du vermeiden solltest, ich habe schon gesagt, nimm Sportart A und nimm Sportart B, such dir vielleicht am besten noch in beiden Sportarten irgendeinen Trainingsplan und schmeiß den zusammen. Das geht in der Regel schief. Und im Prinzip muss man auch dazu sagen und da kommt wieder das Altersthema. Mit 20, mit 30 kannst du das echt auch kompensieren über eine lange Zeit, dann macht der Körper das auch lange mit. Mit 40, 50 und mehr funktioniert das einfach nicht mehr. Denn Körper ist weniger nachsichtig, er ist leistungsfähig, das ist ganz wichtig, das müssen wir auch unbedingt im Kopf behalten. Wir sind leistungsfähig, aber wir brauchen einfach andere Methoden, mehrere Generationen und dann funktioniert das Ganze. Und wer das akzeptiert, der trainiert letztendlich klüger. Ja und zum Schluss möchte ich noch über eine Sache sprechen, dass mir von vielen Läuferinnen und Läufern beschrieben wird und oft man fast schon bisschen verlegen ist, als wäre es irgendwie eine peinliche Frage. Dabei ist es wahrscheinlich die ehrlichste Frage in der ganzen Folge und das ist das, ich weiß, dass Laufen mir gut tut, ich weiß, was ich tun müsste, aber trotzdem zweifel ich ständig. Mache ich das richtig? Ist das sinnvoll? Sollte ich was anderes machen, brauch ich nicht einen neuen Trainingsplan. Und dieses ständige Hoppen und Zweifeln. Ganz ehrlich, es nichts ungewöhnliches ist, hab's am Anfang schon angedeutet, das passiert tatsächlich vielen. Auch mir geht es hier und da so und das ist kein Motivationsproblem. Ich sag das auch ganz klar, weil es auch wirklich wichtig ist. Dieses innere Hin und Her ist in der Regel
Torsten - Ausdauerclub: kommt in der Regel bei denen vor, bei denen es eigentlich prinzipiell gut läuft. Zweifel, oft sind die, bei denen es wirklich gut läuft und die wirklich gut sind, die größten Zweifler. Man nennt das Ganze auch Impostor-Zyndrom, dass man immer denkt, man selbst hat es ja überhaupt nicht drauf und man selbst sieht eigentlich seine Erfolge und das, was man eigentlich kann, nicht. Und in der Regel ist das Wie gesagt, kein Motivationsproblem, sondern es ist ein Orientierungsproblem. Und das ist deswegen so wichtig, weil wenn du ein Motivationsproblem hast, dann brauchst du Antrieb von außen. Du brauchst neue Ziele, neue Herausforderungen und irgendwie externe Bestätigungen. Das ist das, was viele wirklich antreibt, überhaupt erst mal in die Gänge zu bekommen. Wenn du ein Orientierungsproblem hast, brauchst du allerdings im Inneren den verlässlichen Rahmen. Also brauchst eine Antwort auf die Frage, ist das, was ich tue, langfristig sinnvoll? Deswegen ist das eine andere Herangehensweise. Eine Frage, die ich selbst nutze und die ich immer wieder empfehle, die du dir gerne stellen darfst, die kannst du dir vor jeder Einheit stellen, nach jeder Einheit stellen, die kannst du dir auch mal alle paar Wochen stellen. Hilft mir das, was ich gerade im Moment trainiere? langfristig stabiler zu laufen. nicht bin ich motiviert genug, nicht mache das andere auch so oder würde das ein Profi empfehlen, was sagt ein Trainer, sondern hilft mir das, was ich gerade mache, langfristig stabiler zu laufen. Und das ist tatsächlich das, was deinen Trainingsplan und deine Trainingsziele beeinflussen sollte. Und dann gibt es noch ein Werkzeug, was ich für total unterschätzt halte. Ich habe das früher oft in unseren Kursen drin gehabt, habe aber gemerkt, wie wenig Leute das eigentlich wirklich gemacht haben und ich finde das super schade. Ich muss mich zwar auch selbstständig dazu zwingen, weil ich das auch gerne mal im Alltag vergesse, aber es ist einfach etwas, was du mal tun solltest und das ist eine monatliche Reflektion. Einfach mal 10 Minuten und stell dir einfach mal drei Fragen. Was lief in diesem Monat gut?
Torsten - Ausdauerclub: Was hat mich gestresst oder gebremst? Was ändere ich im nächsten Monat? Drei einfache Fragen, die du dir jeden Monat mal über dein Training stellen solltest. Also keine Tabelle, kein Protokoll, keine detaillierte Datenauswertung. Wir haben ja alle so jede Menge Daten und dadurch auch so eine gewisse trügerische Sicherheit. Nein, es geht nicht die Daten, sondern es geht darum, was lief in diesem Monat gut? Was hat mich gestresst oder gebremst? Was ändere ich im nächsten Monat? Diese Fragen sind die, die du wirklich mal betrachten solltest. Und das baut konsequent und wenn du das permanent machst, echte Trainingskompetenz auf. Also nicht indem du dir einfach den nächsten Trainingsplan schnappst oder noch mehr Daten auswertest, sondern dadurch, dass es eigentlich dass du reflektierst, dass kurz innehältst und wirklich über dein Training nachdenkst und auch einen nächsten Schritt machst, also auch Änderungen vornimmst. Und wenn du das permanent machst, diese Schleife, immer wieder diese Feedback Schleife auch einbaust, dann ist das Trainingskompetenz, die du dir aufbaust. Und da geht es gar nicht darum, dass du alles über Sportwissenschaft weißt. Es geht einfach sondern eher darum, zu verstehen, wie der eigene Körper funktioniert. Und dadurch einfach in der Lage zu sein, eigene Entscheidungen zu treffen und nicht ständig irgendwie auf den nächsten großen Plan zu warten, der es dann irgendwie richten wird oder auf den neuesten Hype, den es irgendwo auf Social Media gibt, sondern wirklich auf sich selbst zu achten. Und wer alle sechs Monate oder vielleicht auch noch kürzer eine neue App oder neues Programm testet, macht das meistens nicht, weil du zu ungeduldig bist oder weil du ständig irgendwie was Neues brauchst. Die Person macht das der Regel deswegen, weil sie keinen verlässlichen Rahmen bisher gefunden hat, dem sie wirklich vertrauen kann. Denn wenn dieser Rahmen stimmt, dann musst du nicht ständig irgendwas Neues suchen. Dann hast du das gefunden, was einen gut tut, was funktioniert und was wirklich auch du permanent machen solltest.
Torsten - Ausdauerclub: Und das soll nicht heißen, dass du nicht trotzdem ab und zu mal was Neues ausprobierst, aber dann eben als bewusste Entscheidung und nicht irgendwie als Standardfall. Wenn du dir aus dieser Folge fünf Dinge mitnimmst, dann diese. Nummer eins, Mieselläufe einordnen, nicht bewerten. Also denk an die Regentonne, von der wir gesprochen haben. Sie läuft über, wenn zu viel reinkommt. Und zwar nicht nur wegen dem Training, sondern auch aus dem Leben. Also Regen kommt nicht nur durchs Regen, durch den Training rein, sondern eben auch durch die Belastung, durchs Leben. Zweiter Punkt. Stagnation ist erstens normal und zweitens kein unlösbares Problem. Also es hieß fast immer ein Hinweis auf falsche Reizverteilungen im Training und das kannst du anpassen und ändern. Drittens, ein Minimalstandard und eine Schlüsseleinheit schlagen jeden starren Plan, den du irgendwie nicht einhalten kannst. eine Einheit, die auf jeden Fall jede Woche stattfinden sollte, ist mehr wert als drei Einheiten. die stattfinden hätten sollen und an denen du ständig scheiterst. Viertens, das innere Hin und Her ist kein Motivationsproblem, es ist eine Orientierungsfrage. Also wenn du ständig irgendwas Neues brauchst, einen neuen Reiz, einen neuen Plan, eine neue App, dann hast du ein Orientierungsproblem und das lässt sich lösen und mit dem richtigen Rahmen einer ehrlichen Reflektion und der Und der Leitfrage, hilft mir das, was ich gerade tue, langfristig stabiler zu laufen, kommst du schon deutlich weiter. Und fünftens, Laufen in der Lebensmittel ist keine Frage der Disziplin. Es ist eine Frage der richtigen Einordnung, den eigenen Körper zu verstehen und auch zu vertrauen und vor allen Dingen auch das Leben realistisch einzuschätzen. Also du solltest letztendlich ein System finden, dem du vertraust, was wirklich für dich funktioniert.
Torsten - Ausdauerclub: Und das ist aus meiner Sicht das wichtigste Ziel. Viel wichtiger als irgendwie tolle Lauferfolge zu machen, weil wenn das System da ist, ergeben sich oft diese Lauferfolge von selbst. Ich habe heute morgen eine Zuschrift bekommen, also heute Morgen zum Zeitpunkt der Aufnahme eine Zuschrift bekommen und ich lese sie mal kurz vor, weil sie besser zusammenfasst, worum es geht, als ich selbst könnte. Daniela hat geschrieben, sie hat eine ältere Podcast Folge gehört. Und dabei kam ihr ein Gedanke, den sie schön fand und den sie unbedingt mit mir teilen wollte. Dass man den Ausdauerclub als Hilfe zur Selbsthilfe betrachten kann. Also im Hinblick auf wirklich nachhaltiges Laufen und auch das Hinterlassen von Spuren in unserem Leben. Und dann hat sie noch so geschrieben, ich hoffe, das war jetzt nicht zu philosophisch. Ich fand es nicht zu philosophisch, ich fand es super, denn es trifft ziemlich genau das, wofür wir stehen. Hilfe zur Selbsthilfe. Darum geht es. Ich stelle mir das so vor, der Ausdauerclub ist irgendwie wie so ein guter Freund, der sich mit Laufen auskennt. Also wenn du eine Frage hast, wenn du nicht weiter kommst, wenn du einfach mal jemanden brauchst, der das Ganze einordnet, dann ist er da mit einem passenden Gedanken, mit einem Denkanstoß, mit einer Einordnung oder eben auch mit einem verlässlichen Trainingsplan, der dir gerade jetzt im Moment richtig gut tut. Also kein Programm, was du irgendwie auf Teufel.com raus durchziehen musst. permanent und ständig. Auch kein Trainer, der ständig mit der Peitsche hinter dir steht und dich antreibt, sondern einfach ein verlässlicher Begleiter, der mitläuft, solange du ihn willst und eben auch brauchst. Und wenn du das suchst, dann schau gerne mal bei uns vorbei. Alle Infos findest du unter www.austauerclub.de. Und zum Schluss auch diesmal noch eine Bitte, die ich auch letzte Woche schon geäußert habe. Also wenn dir diese Folge gefallen hat, würde ich mich sehr über eine Bewertung freuen. Auf Apple Podcasts, auf Spotify als auch auf YouTube, wo wir neuerdings als Videopodcast erscheinen. Gib einfach mal dort eine kurze Bewertung an oder hinterlasse einen Kommentar. Übrigens, auf Spotify kann man auch einzelne Episoden kommentieren. Das kostet keine zwei Minuten und es hilft mir einfach enorm und es hilft eben auch anderen Läuferinnen und Läufern, diesen Podcast zu finden. Vielleicht haben sie ja auch dieselbe Frage wie du.
Torsten - Ausdauerclub: Und dann sage ich danke, dass du heute wieder dabei warst und bis zur nächsten Folge. Ciao!
Neuer Kommentar